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01/07/2011 / jasminhamadeh

vom Micro-Lernen satt geworden

… zumindest bin ich am Ende einer Phase eines (mehr oder weniger) „kollaborativen Verdauungskreislauf aus Web 2.0 Modulen“.

Ich habe die Live-Session mit Martin Lindner nachgearbeitet, Blogposts und Tweets gelesen und denke:

Es geht gar nicht um Micro-Lernen. Es geht – mal wieder – um den Abgesang von Lernen in vorgegebenen Szenarien mit festgelegten Lernzielen (Entschuldigung, das ich das immer noch so nenne, ich komme mir selbst allmählich komisch vor 😉 )

Oder vielleicht weniger polemisch: Micro-Lernen, wie es v. a. im Vortrag vorgestellt wird, hat folgende Prämissen:

  • Es geht nicht um herkömmliches „Lernen“, sondern um „Wissensarbeit“.
  • Über „beiläufige Aufmerksamkeit“ soll der „Wissensarbeiter“ erreicht werden.
  • Es muss der „Eindruck von Einfachheit erzeugt“ werden.
  • „Informationen müssen unangestrengt fließen“ und so „automatisches Lernen“ mit sich bringen.

Ich glaube sofort, dass das einen Reiz hat, dem ich auch selbst gern mal erliege – und manchmal auch ganz bewusst. Und vielleichtbezahle ich auch manchmal Geld dafür…

Aber wessen Anforderungen kommt man damit eigentlich nach? Und geht es hier wirklich um Lernprozesse? Ich höre und lese daraus nur, dass Content vermittelt wird. In maximal 3 Minuten. Was in der Diskussion am dichtesten an so etwas wie „Reflektion“ herankommt ist die Aussage „Zeug geht rein, Zeug kommt raus“…

Gut, ich sehe schon auch, dass dieser Micro-Content „Impuls“ sein kann. Aber das reicht mir für organisierte Lernprozesse nicht. Vielleicht auch deshalb nicht, weil es als Beitrag zur „individuellen Wissensarbeit“ natürlich nicht – Entschuldigung für die Spielverderberei – weil es nicht: evaluierbar ist.

Vielleicht denk ich eben – wie üblich – den „anders herumen Weg“:
Meine Ausgangslage (sicher nicht nur meine) ist: Menschen sollen in die Lage versetzt werden, bestimmte Aufgaben lösen zu können. „Aufgaben“ und „lösen“ mal wieder im weitesten Sinne.

Ich gehe davon aus, es gibt erfahrene Menschen, die wissen, was man dafür in bestimmten Bereichen (zumindest u. a. ) wissen / können / Lernen muss – und auch welche, die wissen, wie man das sinnvoll vermittelt – und vielleicht sogar prüfen können, ob es denn gelungen ist. Solche wie „uns“ (?).

Vor diesem Hintergrund frage ich mich – ganz offen: Was kann ich aus dem Gedanken des „Micro-Lernens“ machen? Wie kann er mich weiterbringen?

Ich nehme als berücksichtigenswert mit:

  • Kleine Happen / Nuggets bilden
  • Aufmerksamkeitsspannen berücksichtigen
  • sinnhafte Momente schaffen (= solche, „auf die man als Erfahrung zurückgreifen kann“)

Und ende damit zu denken: Ja, genau das ist Didaktik: Lernprozesse so gestalten, dass die Lernenden folgen können und wollen – und nachhaltig das lernen, was vorgesehen ist.

Dafür teilt man den Lernprozess in kleine Einheiten, klar. Ein paar dieser Einheiten bilden zusammen diverse didaktische Methoden, die Methoden und Lernerfolgskontrollen zusammen ein didaktisches Konzept. Nein, neu wäre das dann nicht.

Gut – ich habe gelernt: In manchen Definitioenen müssen Micro-Lern-Happen für sich stehend nutzbar sein / in vielfältige Kontexte einhaubar, im Netz stehen, in jeder Hinsicht „offen“, möglichst Flow erzeugen, beiläufig eingebracht werden etc. – dann mag es irgendwie was Neues sein.

Aber ich finde: Lernen darf auch anstrengend sein, man darf es merken, es darf auch mal langweilen (das ist ja mitunter die Quelle größter Inspiration lese ich in Erziehungsbüchern…)

In meinem Kontext ist Micro-Lernen ein ganz normaler Teil von Makro-Lernen. Und wo es „nur“ möglicher Impuls ist (auch wenn das ggf. mal die Welt bedeuten könnte), kann ich es (natürlich) als Element meiner Didaktisch nicht gezielt einsetzen.

Nichts desto trotz: Eine anregende Auseinandersetzung war das (auch) diese Woche. Und nachdem ich mir meine eigenen Ziele zu dem Thema gesetzt habe, konnte ich die Happen durchaus nutzbar für mich machen.

Dank allen Mitdenkenden und Input-Gebenden. Auch für all die schönen Metaphern, die sich wie Wolken über das Meer jagten – und – zumindest in meiner lern-„schwangeren Umgebungen“ Flow erzeugt haben 😉

„Zeug kommt rein – Zeug geht raus“ in diesem Sinne:
Danke für die Aufmerksamkeit (ob sich der Post wohl in drei Minuten lesen lässt?)

Ohne Angst vor Lernschweiß,
grüßt Jasmin

PS: Alles mit Anführungszeichen Markierte ist mehr oder weniger direkt aus dem Vortrag von Martin Lindner zitiert (wo es z. T. wiederum Zitate sind)

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  1. mons7 / Jul 2 2011 13:10

    Hi Jasmin,
    der Microlearning-Referent war der Martin Lindner, der Martin Ebner war der Mobile Learning-Referent aus Woche 5.
    Ganz schön viele Martins, die sich in der E-Learning-Szene so herumtreiben…. 😉

    In punkto andere Punkte muss ich durchaus noch verdauen….

    Herzliche Grüße

    Monika

    • jasminhamadeh / Jul 2 2011 13:19

      Oh, Dank dir, Monika,
      hab ich korrigiert. Schön dich wieder zu lesen.
      Wünsche natürlich gute Verdauung… und freu mich aufs auseinander Setzen, wenn dir etwas aufstößt.
      Schönes Wochenende noch! Jasmin

  2. Gaby Goldberg / Jul 2 2011 21:15

    Hi Jasmin,

    ja, dein Post lässt sich in drei Minuten lesen (gar kein Problem, weder beim ersten Lesen noch beim zweiten noch beim dritten 😉 )
    Ich glaube, die bisherige Diskussion hat die wichtigste Frage nur gestreift – nämlich die nach dem „Design“, worunter ich 1. das Strukturieren sinnvoler Lerneinheiten als micro-content und 2. ihre Einbindung in ein didaktisches Gesamtkonzept verstehe. Ich grüble da mal weiter… schwitzend… (was ok ist: Hauptsache schmerzfrei)
    „Zeug kommt rein, Zeug geht raus“ – hat mich bei dem Vortrag fast aus den Schuhen springen lassen. Das kann ja wohl nicht alles sein!

    Viele Grüße
    Gaby

    • jasminhamadeh / Jul 4 2011 10:34

      Liebe Gaby,
      das macht dann ja ggf. schon fast 9 min – kein Wunder, dass du schwitzt 😉

      Ja, ich glaube auch, an die Design-Frage müssen wir nochmal ran… also die, die die sich über didaktische Gestaltung von Lernprozessen Gedanken machen.
      Ich werd da auch nochmal zu schwitzen gehen. Mal sehen, ob es dann irgendwann irgendwie auf was anderes hinausläuft als darauf, den Lernprozess in kleine Schritte zu teilen, die auch mal „Nuggets“ sein können.

      Jochen Robes hat ja durchaus an einigen Stellen versucht, das Gespräch dahin zu lenken – aber dann kam es doch nicht dort an.
      Vielleicht frag ich Martin Lindner nochmal direkt an. Mal sehen, ob ich einen Ort dafür finde – und ob wir dann einen „Moment“ daraus machen können…

      Es grüßt in die junge Woche
      Jasmin

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