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23/06/2011 / jasminhamadeh

Medienkompetenzschulung? Doch: Lehrende müssen!

Lernen kann jeder! Aber lehren nicht.

Ein klares JA! von mir zu Schulungen in „Medienkompetenz“ für Lehrende. Und zwar – potenziell – alle Lehrenden: Lehrer, Trainer, Uni-Dozenten, Dozenten in Unternehmen, Ausbilder etc.

Da kann ich jetzt nicht einmal als Advokatus/a Diaboli sagen, „Nee, die brauchen keine Schulungen…“
Ich habe selbst einen Onlinekurs zur Lehrenden-Schulung mit-konzipiert und viele Jahre moderiert und weiterentwickelt (Train the E-Trainer der AWW / Univ. Hamburg) – und stehe voll hinter dessen Zielen und Methoden 🙂 Ich muss aber dazu sagen: Hier steht Medienkompetenz nicht für sich – sondern von Anfang an immer nur im Zusammenhang mit der Fragestellung: Wie kann ich die Technik didaktisch sinnvoll einsetzen.

Welche wesentlichen Erkenntnisse möchte ich hier daraus weitergeben? (Auch in Ergänzung zu den Punkten aus Konzert 4 in Christian Spannagels Event dieser Woche.) Es geht gar nicht v. a. um Medienkompetenz (1): Die Lehrenden glauben meist, sie brauchen technische Schulung – lernen aber oftmals eigentlich Didaktik (neu) – und wenden das dann im E-Learning-Kontext an. Weil sie jetzt gezwungen sind, didaktisch zu planen. „E-Learning als trojanisches Pferd für Didaktik“ habe ich das in einem Aufsatz mal genannt. E-Learning fordert auch aus technischen Gründen eine didaktische Planung und das transparent-Machen des Ablaufs, der Ziele, der Methoden, der Lernerfolgskontrollen – und steht natürlich (immer noch) unter einem gewissen „Rechtfertigungszwang“.

  • Ohne Schulung würden sich die Teilnehmer wahrscheinlich vorwiegend mit technischen Fragestellungen beschäftigen – oder haben gemerkt, dass sie das allein nicht zum Ziel bringt und kommen dann nicht weiter.
  • Es geht gar nicht v. a. um Medienkompetenz (2): Der Samen für „Methodische Phantasie“ muss oft erst noch gesät werden:
    Dass E-Learning mehr sein kann als darstellender Text / darstellendes Material und Multiple Choice Tests erstaut immer wieder (so wie nach wie vor oft auch Präsenz-Unterricht, der etwas anderes tut als Vortrag und Abfrage, immer wieder erstaunt).Dass man Methoden wie Webquest, Online-Rollenspiel, Pro & Contra-Diskussionen, Fallstudien, Journal-Club etc. in asynchroner oder synchroner Form im Online-Lernen einsetzen kann, ist oftmals ein echter Eye-Opener. Vor allem, dass das oftmals mit recht einfachen MItteln möglich ist – und nicht immer immens große teure Apps oder Entwicklungen braucht. Da wären viele nicht durch Eigen-Recherche drauf gekommen.
  • Die Lehrenden brauchen Handlungssicherheit:
    Neues ausprobieren, reflektieren, für die eigene Umsetzung weiterdenken. Das schafft man nicht allein. Bewährt hat sich im E-Trainer Kurs:
    1.) Fragestellungen aus der Praxis (hier Erarbeiten eines E-Learning-Kurs-Konzeptes zu einem vorgegebenem Thema, inkl. Ausgestalten / umsetzen von Teilen des Konzepts), entlang derer alle Unterthemen abgearbeitet werden („wie im wirklichen Leben“)
    2.) das Ganze in einer Kombination von Einzelarbeit, Teamarbeit in kleinen virtuellen Teams (3 – 5 Personen) und Austausch im Plenum (12 – 20 Personen)
    3.) intensive Betreuung der Teams und Einzelpersonen (inhaltlich und persönlich)

Und unsere eigene Rolle als Lehrende dabei?

  • Wir geben das Curriculum vor (innerhalb dessen in gewissem Maße individuelle Schwerpunkte gesetzt werden können).
  • Wir stellen einen verbindlichen Zeitplan und sorgen für die Einhaltung.
  • Wir geben inhaltlichen Input: Texte, Links, moderieren Foren mit Fragen, vernetzenden Beiträgen, Zusammenfassungen, Korrekturen, Ergänzungen, geben Feedback zu Einzel- und Teamlösungen.
  • Wir moderieren „Events“: Rollenspiele, Webquests etc.
  • Wir schaffen eine verbindliche, freundliche, motivierende und wertschätzende Atmosphäre.
  • Wir geben Gelegenheiten und versuchen zu verführen, sie zu nutzen.
  • Wir übernehmen organisatorische, technische  und betreuuende Aufgaben (Betreuung der Teamprozesse und der einzelnen Teilnehmer bei Schwierigkeiten am Ball zu bleiben oder sich konstruktiv zu beteiligen)
  • Wir sind Vorbild.

Aber dieser Katalog gilt im Wesentlichen vielleicht für jede Art Lehre, die Lernende ernst nimmt… Auch im Sinne von H.-G. Renkewitz Kommentar zu „Oma Anne kann SMS schreiben„:

„Kann man überhaupt etwas Lehren? Oder heißt Lehren eigentlich, den anderen beim Lernen helfen? „Good teachers never teach anything. What they do is create the conditions under which learning takes place.“ – (Samuel Ichiye Hayakawa)

Es gehen meist alle Beteiligten „auf dem Zahnfleisch“ aus dem Kurs (auch die Moderatoren…) – aber mit dem guten Gefühl, wirklich was fürs (Arbeits-)Leben gelernt zu haben – was ohne diese Mühe, die das arrangierte Lernszenario mit sich gebracht hat, wohl nicht so möglich gewesen wäre.

Das vor Ende der Woche noch fix, weil ich es hier im Blog versprochen hatte – wem eigentlich? Ich glaube, ich tue einfach so, als wäre das hier ein verbindliches Lernarrangement…

Wie auch immer: Allen eine gute Nacht, einen guten Tag, ein schönes Wochenende,
von Jasmin

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  1. Lore Reß / Jun 24 2011 07:29

    Ja, genau so. Das gilt nicht nur für Lehrer sondern auch für die freischaffenden Trainerinnen und Trainer, siehe Punkt 3 unseres Konzertes: http://ietherpad.com/gfeB5MNVRb und http://lress.posterous.com/opco11-18-bandleader-bei-den-heroes-of-pop

    • jasminhamadeh / Jun 24 2011 11:08

      Danke für den Hinweis auf Konzert 3, Lore Reß!
      Der Austausch da ist für die Fragestellung dieses Posts sogar viel passender.
      Und es macht Freude, den strukturierten und auch mal kontroversen Austausch nachzuvollziehen.
      Dank auch für das Zusammenführen einiger Gedanken und Links aus den vorangegangenen Wochen in deinem Posterous-Post.
      Jasmin

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