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16/06/2011 / jasminhamadeh

Zurück auf Los? Bitte nicht! Mehrwert und fertig

Erstmal muss das hier raus, dann wird gespielt. Ein paar Aussagen / Einstellungen aus dem Schulmeister-Vortrag kann ich bei allen guten Vorsätzen nicht unkommentiert lassen – auch wenn ich das wohl nicht sachlich fachlich unpolemisch hinbekommen werde…

Schockierendes Ergebnis: Viel Mediennutzung v. a. bei Schülern mit schlechten Noten.
Aha. Und das soll was genau bedeuten? Mediennutzung macht schlechte Noten? Oh Mann, erst dachte ich, ich versteht diese Statstik Geschichten einfach nicht – aber jetzt bin ich mir immer sicherer, dass sie einfach nicht viel taugen… Also einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang kann ich hier nicht sehen. Das beinhaltet keine Ausage über das Potenzial von Medienutzung im Lernprozess, sage ich. Und meiner Meinnug nach geht es ums Potenzial und wie wir es nutzbar machen können.

Blogging ist auch stark zurück gegangen.
Und was heißt das? Das es nichts taugt? Es war neu, viele haben es ausprobiert – einfach mal sehen, was es so kann und bringt. Einige haben auch mittelfristig Nutzen daraus ziehen können. Ist doch klasse. Wenn ich Spinat-Nudeln probier und nicht in meinen regelmäßigen Speiseplan aufnehme, ist doch nicht die Nudel an sich schlecht… Und vielleicht mochte ich sie sogar… und vielleicht wird sie später mal wichtig…

In Punkto Mediennutzung brechen Freizeitverhalten und Studienverhalten auseinander, selbstorganisiertes Lernen ist ein Schwachpunkt bei Studierenden.
Das ist nicht schklimm…. Für die Organisation des Rahmens sind ja auch andere zuständig. Fachleute legen ein Curriculum fest und helfen den Studierenden dabei, Lehr-/Lernziele (aktiv) zu erreichen.  Das klingt altmodisch in dieser Diskussion – aber in meinen Augen ist das – im Optimalfall – Qualitätsgarantie und effizienter, verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen. Das ist eine zentrale Aufgabe der Uni, und diese Lenken soll E-Learning nicht streichen – sondern unterstützen.

Viel angebotenes Onlinematerial wurde schlicht nicht angenommen. Man kann Online-Angebote erst zur Pflicht machen, wenn die Mehrheit es will. Aber die Mehrheit hat da eine Abneigung.
Genau, Ralf Appelt: Studierende finden keinen Lernweg sowieso schon richtig toll… Man muss weiter nach Wegen suchen, E-Learning Elemente sinnvoll einzubinden. Und wenn das partout nicht gelingt – dann gibt es vielleicht in dem spezifischen Kontext keinen Mehrwert fürs online-Lernen im Gegensatz zum Präsenzlernen. Und dann gehört das dort auch nicht hin.

Und das ist für mich der Kern: Wo E-Learning Mehrwert bietet – da setzt es sich bei phantasievollem, engagierten Einsatz durch. Das gleiche gilt fürs Mobile Learning. Und wo es keinen Mehrwert gibt… – muss man nichtmal diesen Satz zu Ende schreiben…

Und Beispiele für sinnvollen Einsatz / Mehrwert habe ich jetzt viele gehört / gelesen / erlebt – und wenn wir das nicht alle hätten, dann wären wir nicht hier, oder? Jochen Robes, ich finde auch: E-Learning und auch Social Media machen in der Tat Dinge möglich, die vorher nicht gingen…

  • z. B. Lernern den Zugang zum Austausch erleichtern, indem man ihre Kommunikationswege nutzt. Hier ggf. in die Kurse / Lernprozesse zurück-„locken“, immer wieder erinnern, Wiederholungsschleifen einbauen, organisatorische Hürden nehmen,
  • Austausch mit Menschen ermöglichen, zu denen sonst schwer / kein Zugang wäre (Experten z. B., Teilnehmer aus anderen Zeitzonen ).
  • Flexibilität der Lernorte und Lernzeiten nutzen (v. a. in berufsbegleitender Weiterbildung und für spezielle Zielgruppen).

Dann macht es doch gar nichts, dass Lesen am Computer kein intensives Lesen ist – es spricht doch gar nichts gegen weiterhin auch „echtes Lesen“, klar muss weiterhin und immer mehr Informationsverhalten / -bewertung gelernt werden – das geht doch prima mit Beispielen aus dem Internet… und das kann man sogar in virtuellen Teams erarbeiten lassen…

Wir verlieren keine Lehr-/Lernqualität, wenn E-Learning auch weiterhin ein begleiteter, modierter Prozess ist. und das kann er online sein.

Wir sind doch nicht wieder zurück auf LOS – bei der Prämisse, dass E-Learning die Präsenzlehre ablösen soll – aber nicht kann. Sagt, dass wir nicht wieder da sind, bitte! Nach all den OpCo Nachtschichten möchte ich da nicht angekommen sein. Nicht mit euch vielen offenen, kritischen, ausprobierwilligen methoden-phantsievollen Mit-OpCo-ern… Das seid ihr doch?!

Nein, da sind wir nicht angekommen…
Und gleich gehen wir schön spielen. Ich spiel „Ich bin e-learning und habe Mehrwert…“ Seriously 😉

Jasmin – jetzt geht’s wieder ein bisschen besser…

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  1. hjakobs / Jul 5 2011 15:27

    Die Stelle mit dem Zusammenhang von intensiver Mediennutzung und Schulnoten wird von Schulmeister ausdrücklich so interpretiert, dass man sich, um hier irgendwelche belastbaren Aussagen treffen zu können, die Art der Mediennutzung anschauen muss. Davon abgesehen müsste man sich aber auch die Studie der Kaiser Family Foundation ansehen, was genau denn da gemessen wurde und wie die zu ihren Zahlen kommen.

    Wenn aktuell weniger auf Blogs geschrieben wird als noch 2009, ist das gemessen an den Ansprüchen, die oft verbreitet werden, durchaus enttäuschend. Ich gebe ihnen aber Recht, dass damit Sinn und Unsinn von Blogs keineswegs erwiesen ist. Vielmehr stehen ja einfach auf Grund permanenter Ausdifferenzierung der Medien ständig neue Kanäle zur Verfügung. Dass nach anfänglichem Hype sich die Zahlen wieder beruhigen, um sich dann auf einem niedrigeren Niveau einzupendeln, kann man zudem in vielen anderen Bereichen analog beobachten. Auch ist m.E. der Zeitraum für eine abschließende Beurteilung Nischen-/Massenmedium hier einfach viel zu kurz. Das ist daher keine so überraschende Zahl. Worum es aber geht in dem Zusammenhang ist doch, dass man es nicht als selbstverständlich voraussetzen kann, dass Jugendliche heute das Internet in all den von Visionären gerne beschworenen Weisen nutzen. Das ist einfach ein Mythos, den man zunächst einmal als solchen erkennen muss. Dann kann man daran gehen, sich zu überlegen, wie man mit diesen Techniken sinnvoll umgehen kann und wie man sie für Lernen nutzen kann, um auf diesem Weg die fehlende Medienkompetenz mitzugeben.

    Schulmeister behauptet nicht, dass Lernende einen Lernweg per se toll finden. Das hängt ja ohnehin mit individuellen Prägungen und Präferenzen zusammen. Das behaupten aber auch eher die vielen Visionäre, die YouTube-Klicks als Indikator für die Zukunft des Lernens heranziehen.

    Kritisch finde ich eher die pauschale Abwertung virtueller Kontakte und die pauschale Abwertung der Kommunikation in Kanälen wie Facebook, da dies formelles Lernen nicht unterstütze. Wo bleiben hier Überlegungen zum Wert informellen Lernens? Und vor einer abschließenden Wertung dieser Facebook-Kommunikation wäre doch erst einmal zu untersuchen, wie und worüber denn da gesprochen wird. Das bleibt ja hier ohne Beleg (allerdings bin ich da auch eher skeptisch).

    Kommunikation und Informationsbewertung schließen einander auch nicht aus, wie Schulmeister es nahelegt. Im Gegenteil kann man ja gerade über die Kommunikation auch das Bewerten von Information erlernen – aber natürlich nur dann, wenn ich mich nicht nur mit Freizeitkommunikation beschäftige, bei denen ich ganz andere Themen behandle. Hier also wäre bei der Frage der Mediennutzung wieder die oben gestellte Frage: Worüber reden die denn in ihrer Freizeit? Spielen da Studiumsinhalte keinerlei Rolle? Verändert sich bei Studierenden, die im Seminar Blogs etc. nutzen, evtl. dauerhaft der Inhalt solcher Freizeitkommunikation? D.h. strahlt das auf andere Kanäle aus?

    Ich glaube, man tut letzten Endes gut daran, weder die Digital Natives noch die verschiedenen Medien in ihren Fähigkeiten zu überschätzen, sondern – wie ja ohnehin immer alle vorbeten – den Sinn und den Mehrwert herauszuarbeiten, den Medieneinsatz bringt. Schulmeister-Bashing – so klingt es bei einigen Opco-TeilnehmerInnen für mich – aber ist keine Lösung, zumal er doch selbst eLearning-Elemente benutzt. Ich verstehe das als Versuch, erst einmal die Realität zu sehen und davon ausgehend nach Wegen zu suchen, anstatt sich auf Prophezeiungen ungehemmten Wachstums zu verlassen. Das ist mühselig, aber unumgänglich.

    • Jasmin / Jul 5 2011 15:46

      Guetn Tag „hjakobs“,

      wie schön zu sehen, dass hier auch weiterhin zu „vergangenen OpCo Wochen-Themen“ gelesen wird. Und auch schön zu sehen, dass Sie sich die Mühe machen, differenzierteres Feedback zu geben.

      „Schulmeister Bashing“ würde mich hart treffen, wenn das mit meinem Beitrag in Verbindung gebracht werden sollte. In keinem Fall würde ich mich daran beteiligen wollen. Ich kenne und schätze Rolf Schulmeister aus vielen Jahren gemeinsamer Arbeit. Hier ging und geht es mir ausschließlich um die Thesen, die ich als kritisch empfinde und so nicht unkommentiert stehen lassen mag. Und ich denke, dass auch Prof Schulmeister das als (wenn auch polemischen) Diskurs-Beitrag verstehen könnte – und nicht als persönlichen Angriff.

      Gerade weil ich weiß, wie intensiv er E-Learning Elemente und Szenarien eingesetzt hat, haben mich die angeführten Aussagen irritiert – und das Bedürfnis geweckt, sie zur Diskussion zu stellen. Das ist ja nun gelungen ;-).

      Es grüßt Sie herzlich, Jasmin Hamadeh

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